Mädelsstammtisch Ein Interview aus der GNZ vom 12.05.2016

„Mädelsstammtisch Team Spessartchallenge“ – O(r)berGeil beim Kinzigtal Triathlon

Fünf Triathletinnen berichten über ihren Lieblingssport und ihren Saisonauftakt beim Kinzigtal Triathlon“

Mit einem Reigen an Podestplätzen setzte die Triathlon-Abteilung des TV Bad Orb ein gehöriges Ausrufezeichen beim Kinzigtal Triathlon in Gelnhausen.

Mit Julia Ertmer (Gesamtsiegerin, 1. Altersklasse W30), Katharina Kreit (Platz 6, 3. Altersklasse W30), Elisabeth Hilfenhaus (Platz 11, 3. Altersklasse W30), Hannelore Heinl (Platz 31, 2. Altersklasse W50) und Dana Wagner (Gesamtzweite, 2. Altersklasse W30), die in der nahenden Liga-Saison das Damenteam ergänzt, konnten alle angetretenen weiblichen Athletinnen in ihren Altersklassen aufs Treppchen klettern. In der Altersklasse W30 stellten Ertmer, Wagner und Kreit sogar das komplette Podium, was im Hinblick auf den Ligaauftakt in Darmstadt Anfang Juni große Hoffnung macht.

Im folgenden Interview stellen die einzelnen Athletinnen ihre Herangehensweise an den Triathlon vor und geben Einblicke in ihren Lieblingssport.

Julia, Dana, Katharina, Elisabeth und Hannelore, jeder von euch war auf dem Podest. Was ist das für ein Gefühl, bei einem Triathlon nach 500m Schwimmen, 25km Radfahren und 5km Laufen auf dem Podest zu stehen?    

Julia Ertmer: Es ist jedes mal wieder ein gutes Gefühl, eine Ziellinie zu überqueren. Weil man weiß, dass man es geschafft hat! Sei es nach einem Sprint oder nach einer Langdistanz.  Wenn das dann sogar noch mit einem Sieg belohnt wird, ist es natürlich umso schöner.

Dana Wagner: Es ist natürlich toll, auf dem Podest zu stehen, aber viel wichtiger ist mir, dass ich mit meiner eigenen Leistung zufrieden bin. Dass ich weiß, dass ich an dem Tag das Bestmögliche herausgeholt habe. Wenn andere dann schneller waren, ist das gleichzeitig Ansporn, besser zu werden.

Katharina Kreit: Natürlich ist das ein gutes Gefühl. Viel wichtiger war mir aber Spaß zu haben und gut in die neue Saison zu starten. Aber die größte Zufriedenheit auf meiner Seite war, dass ich meine guten Trainingszeiten im Wettkampf bestätigen und meine Erwartungen an mich erfüllen konnte. Das Podest ist dann nur das „i-Tüpfelchen“.

Elisabeth Hilfenhaus: Klar ist es ein schönes Gefühl einen Platz auf dem Podium zu erreichen. Gerade mit meinen kleinen 1,60m ist es immer schön, ein paar Zentimeter höher zu stehen.

Hannelore Heinl: Mit regelmäßigem Ausdauersport habe ich erst mit Ende 30 angefangen, mein Rennrad hat mir mein Mann zum 42. Geburtstag geschenkt. Den ersten Triathlon habe ich mit 44 angetreten. Das Kraulen habe ich auch erst zu dieser Zeit gelernt. Da ist es schon absolut was Besonderes für mich, es auf das Treppchen zu schaffen.

Alles in allem haben die Damen des TV Bad Orb einen erfolgreichen Start ins Triathlonjahr 2016 hingelegt. Elisabeth, dein ursprünglicher Heimatverein SV Gelnhausen richtet das Rennen aus. Ist es ein besonderes Gefühl, vor heimischer Kulisse zu starten?

Elisabeth Hilfenhaus: Ich persönlich finde es besonders schön, bei einem Triathlon an den Start zu gehen, den der Verein ausrichtet, bei dem alles für mich begonnen hat. Der Kinzigtal Triathlon wird für mich jedes Jahr zu einem besonderen Erlebnis. Die gewohnte Umgebung, sowie die bekannten Gesichter der Streckenposten auf Rad- und Laufstrecke, die meinen Namen rufen und mich anfeuern, machen die ganze Veranstaltung zu einem gelungenen Saisonstart. Bei keinem anderen Triathlon kenne ich so viele Zuschauer, Athleten und freiwillige Helfer, die mich unterstützen.

Aber auch für eine „waschechte“ Orberin ist es ein Heimrennen mit besonderen Emotionen, Hannelore?

Hannelore Heinl: Vor jedem Wettkampf bin ich das reinste Nervenbündel, aber in Gelnhausen bin ich absolut am meisten aufgeregt, da dort so viele Bekannte zuschauen.

Julia, du bist mit deinem Europameister- und Hessenmeistertitel im Duathlon bereits erfolgreich in die Wettkampf-Saison gestartet. Sind die Abläufe also bereits automatisiert? Beschreibe den Lesern mal, wie so ein Rennmorgen abläuft.

Julia Ertmer: Ich bin immer circa zwei Stunden vor dem Start am Wettkampfort, um entspannt die Startunterlagen zu holen, das Rad fertig zu machen und alles in die Wechselzone einzuchecken. Die Handgriffe in der Wechselzone sind so langsam tatsächlich routiniert. Etwa 45 Minuten vor dem Start laufe ich mich ein, um dann gut aufgewärmt an der Starlinie zu stehen.

Katharina, dies war dein erster Start in Gelnhausen. War das eine besondere Anspannung vor dem Start?

Katharina Kreit: Logo, aber auch Freude. Für uns Orber ist Gelnhausen ja immer der Start in die neue Triathlonsaison. Man trifft immer alte Bekannte, Freunde und viele Teamkollegen. Da will man sich natürlich keine Blöße geben. Außerdem ist Gelnhausen immer stark besetzt und ist eine gute Standortbestimmung für die kommende Saison.

Hannelore, in deinem Rennkalender ist Gelnhausen seit Jahren „gesetzt“. Von Julia Ertmer hat man bereits lesen können, dass sie viel Zeit investiert, um so erfolgreich zu sein im Triathlon. Nun hast du in deiner Altersklasse ebenfalls auf dem Podest gestanden. Wie viel Zeit investierst du wöchentlich für deinen Lieblingsport?

Hannelore Heinl: Neben Vollzeitjob, Vierpersonenhaushalt, Haus und Garten bleibt nicht so viel Zeit. Radfahren wöchentlich ca. 5 bis 7 Stunden, davon eine lange Strecke am Wochenende. Laufen gehe ich meistens vor der Arbeit zweimal pro Woche. Schwimmen außerhalb der Freibadsaison „nur“ zweimal wöchentlich. Insgesamt sind das im Winter- bzw. im Frühjahr um die 7-10 Wochenstunden. Im Sommer wird das schon etwas mehr, bis zu 14 Stunden. Da gehe ich vor der Arbeit noch zusätzlich ein- bis zweimal zum Frühschwimmen im Orber Freibad. Das alles klappt aber mit Familie nicht immer so wie man das gerne hätte, deshalb nutze ich Feiertage und Urlaub für Sondertrainingseinheiten. Im Urlaub machen mein Mann und ich dann täglich Sport.

Katharina, mit deinem 6. Platz bestätigst du eine gute Form. Beschreibe deinen Trainingsalltag und wie du das Spagat zwischen Beruf und ambitioniertem Triathlonsport hinbekommst?

Katharina Kreit: Das ist gar nicht so schwer. Wichtig ist, dass man es gerne tut. Natürlich muss man sich gut organisieren, hierbei helfen mir sportfreundliche Arbeitszeiten als Physiotherapeutin und mein Umfeld, was mich tagtäglich unterstützt. Aber Schwimmen, Radfahren und Laufen muss man am Ende doch selbst. Unter der Woche stehen neben meiner Arbeit dann täglich eine Einheit auf dem Plan, am Wochenende dann auch mal zwei. Am liebsten würde ich natürlich mehr trainieren, aber das Ganze muss eben auch finanziert werden.

Klingt fleißig, Katharina. Was kann das Team von dir diese Saison noch erwarten?

Katharina Kreit: Was ich diese Saison leisten kann, vermag ich jetzt noch nicht zu sagen, da bin ich selbst gespannt. Dank der Trainingspläne von Nina Vabic konnte ich mit einem gezielten und strukturierten Training eine wahnsinnige Leistungssteigerung im letzten Jahr erzielen. 2015 war dementsprechend eine Wundertüte voller persönlicher Erfolge. Natürlich hoffe ich auf ein ebenso gutes Jahr in 2016. Aber auf jeden Fall kann das Team maximalen Einsatz, Kampfgeist und Freude an meinem Lieblingssport von mir erwarten und bekommen.

 Julia und Elisabeth, ihr seid im letzten Jahr Teil der Bundesligateams des TV Bad Orb gewesen und durftet gegen Olympiateilnehmer antreten. Der sofortige Abstieg nach nur einer Saison war für das bis dahin Erfolg verwöhnte Team ein Dämpfer. Könnt ihr dem Projekt „Bundesliga“ im Nachhinein dennoch ganz persönlich etwas abgewinnen und für euch etwas mitnehmen auch für die kommende Saison?

Julia Ertmer: Die Erfahrung, mit Topathleten an der Startlinie zu stehen, war einfach einmalig. Die ganze Atmosphäre bei den Rennen war sehr professionell. Das machte jedes Rennen zu einem ganz besonderen. Ich habe viele Erfahrungen und vor allem, Erlebnisse sammeln können, die man für immer behalten wird.

Elisabeth Hilfenhaus: Trotz des Abstiegs in der letzten Saison, bleiben mir ganz viele Erinnerungen an eine Zeit, die sehr aufregend war. Gemeinsam mit dem Team zu Bundesliga-Wettkämpfen in ganz Deutschland zu fahren, hat mir gezeigt, dass Triathlon Menschen zusammenbringen kann. Mit Profitriathleten an der Starlinie zu stehen, war für mich persönlich ein große Ehre. Ich konnte viele sportliche Erfahrungen auf einer anderen Ebene machen, die ich natürlich in die kommende Saison mitnehme. Hierzu zählt vor allem das Schwimmen in einem großen Pulk und der Umgang mit Misserfolg.

Dana, du stößt diese Saison neu zu den erfolgreichen Mädels vom TV Bad Orb hinzu. Mit Julia Ertmer und dir sind die beiden ersten des Damenfeldes in einer Mannschaft vereint. Was sind deine Erwartungen an die Liga-Saison mit dem Team?

Dana Wagner: Ich erhoffe mir eine Menge Spaß mit dem Team und freue mich darauf, dass wir in der Regionalliga zeigen können, was wir drauf haben. Ich kenne zwar das Niveau in der Regionalliga hier noch nicht, aber ich denke, dass wir gute Chancen haben, ganz vorne mitzumischen. Es wäre super, wenn wir voneinander profitieren könnten und uns gegenseitig pushen.

Beide Liga-Teams der Damenabteilung des TV Bad Orb treten am 5. Juni beim Darmstädter Woogsprint beim Ligaauftakt an. Die erste Mannschaft hofft auf eine ähnlich gute Saison wie 2014, als mit der Meisterschaft in der Regionalliga Mitte der Aufstieg in die erste Triathlon Bundesliga gefeiert werden konnte. Und auch das zweite Team erhofft sich gute Chancen und tritt nach dem Aufstieg im letzten Jahr in der höchsten hessischen Triathlon Liga an.