Challenge Walchsee / meine erste Mitteldistanz

Dieses Jahr sollte es endlich soweit sein, meine erste Mitteldistanz. Schon lange stand dieses Vorhaben auf meiner persönlichen to do Liste, eigentlich hatte ich dies schon für 2015 geplant. Aber wie es im Leben so oft ist, kommt es meistens anders und zweitens als man denkt. Durch meine Eisenmangelanemie wurde ich 2015 im Training und in meiner Vorbereitung stark zurückgeworfen und musste das Debüt auf 2016 verschieben. Die Wahl des Rennens fiel mir nicht sehr schwer. Seit Jahren fährt der TV Bad Orb schon zur Challenge Walchsee/ Kaiserwinkel und ich durfte schon zwei Mal die Strecke als  Staffelteilnehmer testen. Die Wettkampfkulisse dort ist einfach nur traumhaft und durch die Unterstützung des Seehotel Brunner sind wir nicht nur optimal untergebracht, sondern können vor und nach dem Wettkampf bei bester Bewirtung auch ein bisschen die Seele baumeln lassen. In meinen Augen die beste Wahl für die erste Mitteldistanz. Am 04. September 2016 sollte es soweit sein.

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Dieses Jahr fanden am Walchsee parallel zur Challenge die Europameisterschaften der ETU statt, so dass dieses Jahr viele Bekannte den Weg Richtung Walchsee fanden, auch der TV stellte eine größere Athletenzahl wie üblich am Walchsee. Freitag morgen begann die Reise. Die Autos wurden beladen und mit zwei VW Busen voller Räder und motivierten Athleten ging es mit großer Vorfreude Richtung Süden. Nach 5 Stunden Fahrt fuhren wir in den kleinen Ort am schönen Walchsee ein. Am Seehotel angekommen erwarteten uns schon viele bekannte Gesichter. Nicht nur viele Athleten waren schon am Walchsee auch unsere heimische Fanbase war angereist. Denn ohne unsere Fans machen Wettkämpfe nur halb so viel Spass und die fahren sogar mit uns an den Walchsee. Bei mir stieg mit der Ankunft auch die Nervosität, jetzt war ich also hier. Die Registration war schnell erledigt und schwups die wups hatte man das Athletenbändchen schon an der Hand und die Startnummer in der Tasche. So richtig konnte ich es noch nicht glauben, dass ich Sonntag eine Mitteldistanz machen würde. Ich war umgeben von vielen erfahrenen Athleten Ironmänner und Frauen, alle schon meisterlich gekürt, da wollte ich mir meine Nervosität natürlich nicht anmerken lassen. Bei kaiserlichem Wetter konnten man sich auch einreden man macht nur Urlaub hier, aber Flucht unmöglich. Samstag ging das Vorwettkamfprozedere los. Wie vor jedem Wettkampf lief ich vor dem Frühstück meine 20min mit kleinen Steigerungen und Lauf ABC und spulte später ein paar Km auf dem Rad ab. Hier überkam mich das erste mal etwas Panik, so gut wie sich das Laufen anfühlte so schlecht lief es beim Radeln. Ich bekam schlecht Luft und hatte kaum Druck auf den Pedalen, so dass sich jeder kleine Anstieg echt zog. Ich konnte mich aber schnell wieder beruhigen. Den Rest des Tages hieß es dann Beine hoch legen und das schöne Wetter auf der hauseigenen Liegewiese genießen. Gegen Abend hieß es dann Räder einchecken und nochmal kurz auf der Pastaparty vorbei schauen um sich noch eine Portion Kaiserschmarrn zu sichern. Was übrigens fast das beste am ganzen Wettkampf ist. Jetzt ist fast alles getan, was zu tun ist. Nur noch einmal schlafen und dann ist es endlich soweit. Eigentlich konnte ich mit einem guten Gefühl in den morgigen Tag starten.Die Vorbereitung lief weitestgehend optimal, das ganze Jahr über konnte ích konstant gute Leistungen abrufen und mich stetig verbessern. Bis auf die langen Laufeinheiten, an denen biss ich mir manchmal noch immer die Zähne aus. Dadurch begegnete ich dem abschließenden Halbmarathon mit ordentlich Respekt. Letztes Jahr durfte ich am Walchsee die 90 km Radfahren in Angriff nehmen, die Vorstellung  danach einen Halbmarathon zu laufen war damals schier unmöglich. Diese Gedanken waren mir immer noch im Hinterkopf geblieben.

Früh morgens klingelte dann schon der Wecker. In Sachen Prerace Vorbereitung lies ich mich da ganz von Flo leiten, er hat da schließlich mehr Erfahrung. Jetzt lief alles automatisch und man hatte gar nicht so viel Zeit nachzudenken. Die Wettkampfbeutel hinlegen, das Rad vorbereiten, nochmal Luft nachpumpen und ganz wichtig nochmal die Laufwege in der Wechselzone anschauen damit ich auch ja weiß wo ich hinlaufen muss. Danach ging es zurück zum Frühstück wo ich mir mit ach und krach zwei Brötchen reinstopfte. Hunger hatte ich keinen, aber ich wusste, ich muss was essen. Danach ging es mit Sack und Pack Richtung Schwimmstart, als erstes war die Eurpameisterschaft an der Reihe. Fast alle Freunde starteten dort. Erst 50 min danach würde ich ins Wasser gehen, das hieß warten, warten, warten. Ich versuchte mich so gut wie es ging abzulenken. Warm machen, Neo anziehen und einschwimmen. Irgendwie war ich aber trotz allem viel zu früh in meinem Startblock mit einer Schwimmzeit von 30-35 min. Das war nicht die beste Idee. Überall roch es nach Pipi, sicherlich nicht nur von den Athleten die um mich standen, sondern auch von dem Startblock der Europameisterschaft. Sport ist schon manchmal widerlich. Nach und nach füllten sich die Startblöcke und pünktlich um 10 fiel dann der Startschuss für den Rolling Start. Selten habe ich so einen entspannten Schwimmstart erlebt. Immer zu Acht stieg man ins Wasser: Keine Schläge, keine Tritte und kein Gerangel um die Ideallinie. So fand ich schnell meinen Rhythmus und stieg nach 34:50 aus dem Wasser. 100 mal besser wie ich es erwartet hätte. Ich war mega happy. Auch beim Wechseln erlebte ich keine Pannen, ich fand auf Anhieb den richtigen Beutel und die Helfer im Zelt unterstützten mich so gut wie sie konnten. Ruck Zuck saß ich auf meinem Rad um mich auf den Weg über die 90 km samt einiger Höhenmeter zu machen. 2 Runden wartete auf mich, die ich versuchte, mir so gut wie es ging einzuteilen. Nicht los fahren wie auf der OD sagte ich mir immer wieder. Das Wetter war super, für mich ein bisschen zu warm, was ich schon schnell auf dem Rad merkte. Ich musste unwahrscheinlich viel trinken und mich kühlen. Die erste Runde lief super und ich fuhr just in time. Auf der zweiten Runde nahm der Wind um einiges zu, was viel Kraft und Energie kostete. Auf dem Weg Richtung Ziel merkte ich schon, dass die Blase etwas zu drücken begann. Aber egal, unter 3 Stunden war das Ziel, check geschafft. Wieder lief alles glatt beim Wechsel und schnell befand ich mich in meinen Laufschuhen auf der Laufstrecke Richtung Fanbase Seehotel Brunner. Dort angekommen wurde ich mit großem Jubel empfangen was mich wahnsinnig pushte. Von der drückenden Blase war nichts mehr zu spüren, ich hoffte, das dies auch so bleibt. Die Laufstrecke über 4 Runden hat es in sich. Auf den 21 km muss man ebenfalls 100 Hhm überwinden. Nach der ersten Runde kurz vor der Wechselzone meldete sich die Blase wieder. Diesmal so, dass sie kaum zu ignorieren war. Wo waren nun die nächsten Dixis? Beim Schwimmstart! Das war noch ein guter km und das Malheur begann. Ich versuchte schneller zu laufen um schneller dort anzukommen, was aber dazu führte, dass das Einhalten immer schwieriger machte und schließlich unmöglich 200m vor den Dixis hatte ich keine Chance mehr. Der Kampf war verloren und ich musste dem Fluss nachgeben. Die Dixis im Auge, Einteiler schnell aus, leichter gesagt als getan. Das nasse Ding wollte einfach nicht runter und nachher auch nicht wirklich an, so dass ich erstmal im Bra los lief und mir das Ding während dem Laufen versuchte an zu ziehen. Die zweite Laufrunde war der Horror. Die Sonne brannte und ich hatte das Gefühl mich einfach nicht kühlen zu können. An dieser Stelle hatte ich mehrmals die Gedanken im Kopf das heute nicht schaffen zu können und begann gegen meinen Schweinehund und die Zeit zu kämpfen. Nur nicht gehen…. ich kämpfte mich jeden Schritt bergauf bergab jeden Km Richtung Ziel. Ich wollte das unbedingt schaffen und siehe da auf einmal zog sich der Himmel zu und ich fing an mich zu fangen. Es wurde besser, endlich regulierte sich die Körpertemperatur und das Gefühl zu kochen lies nach. Die letzte Laufrunde war so fast die beste von allen und Schritt für Schritt näherte ich mich dem Ziel. Das war ein unbeschreibliches Gefühl. Im Kopf zu realisieren, dass man es gleich geschafft hat, zu merken wie die Glücksgefühle einen Richtung Ziel trugen, das war einfach toll. Dann der rote Teppich der Zielkanal im Blick, der Sprecher rief meinen Namen, der Kopf war leer von Gedanken und voller Freude, als ich die Ziellinie überquerte und die Arme hoch ries. Ich hab es geschafft. In 5:32 schwamm, radelte und lief ich über die Strecke am Walchsse. Schneller als ich mir vorgenommen habe und das wichtigste im Ziel sagte ich nicht, ich tue das nie wieder, denn das war mein Hauptziel, eben diesen Satz nicht zu sagen. Ich genoss den ganzen Tag. Das lachen war mir für den Tag ins Gesicht gemeißelt. Ich war einfach nur happy und gekrönt wurde alles noch als wir erfuhren, dass Flo Europameister in seiner AK geworden ist. Auch die Schmerzen hielten sich in Grenzen, so dass ich durchweg positiv auf meine erste MD zurückblicken kann.

Am Montag morgen reisten wir dann ab und schon auf der Heimfahrt schmiedete ich Pläne für 2017. Ich bin total geflashed und ja ich werde es wieder tun und wieder und wieder und wieder und nun weiß ich, dass die Mitteldistanz die schönste Distanz beim Triathlon ist.

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