Trend Flossing, was steckt dahinter!

Nach der Blackroll und anderen Faszientechniken kommt nun auch der Trend des Flossing oder Voodoo/ Ninja Flossing über den Teich zu uns. Entwickelt wurde diese Therapiemethode 2013 von Dr. Kelly Starret (amerikanischer Physiotherapeut und Crossfittrainer); in seinen Büchern „Ready to run“ und „Werde ein geschmeidiger Leopartd“ beschreibt er diese Technik ausführlich. Hauptbestandteil sind hierbei elastische Bänder die zirkulär um Gelenke und Gewebe gewickelt werden. Ziel dieser neuen Therapie soll es sein, eine Schmerzlinderung und eine Bewegungsverbesserung zu erreichen. Unter Berücksichtigung anderer Therapieprinzipien wie der Osteopathie und der Physiotherapie kann das Flossing noch vielschichtiger Eingesetzt werden. Hierbei gilt das Motto „Optimieren durch Komprimieren“

Grundlagen des Flossings

Das Flossing kommt einer Kompressionstherapie gleich, durch die man eine Art Abschnürung des Gewebes  und einen enormen äußeren Druck auf die Strukturen erreicht. Unter diesem Zustand wird dann das Areal  so gut wie möglich durchbewegt. Durch diesen Effekt kann man auf eine Vielzahl von Strukturen Einfluss nehmen und Beschwerdebilder behandeln. So sollen Gelenkschmerzen beseitigt, Muskelkontraktionen verbessert, Verklebung beseitigt und die Gleitfähigkeit verschiedener Strukturen verbessert werden. Außerdem können durch die Kompression Schwellungen im Gewebe und Gelenken behandelt werden. Zu beachten sind hierfür nur die verschiedenen Wickeltechniken. Nicht Anwenden sollte man diese Technik bei Malignom, Thrombosen, akuten septischen Entzündungen, auch bei Fieber, Krampfadern, Hypotonie und Schwangerschaft sollte eine Anwendung im vorhinein abgeklärt werden. Bei jeglichen Wunden und anderen Hautveränderungen ist von einer Anwendung ebenfalls abzuraten. Wie bei jeder Behandlungsmethode können auch hier gegebenenfalls Nebenwirkungen auftreten. Die häufigsten Nebenwirkungen sind Hautreizungen durch den mechanischen Reiz der Bänder auf der Haut. Genauso können durch  den mechanischen Zug auf das Hautareal und durch das Lösen von Crosslinks, kleinere Kapillaren in der Haut reisen, wodurch es zu einer Hämatombildung kommen kann. Durch diese Effekte wird die Wirkungsweise der Anlagen aber in keinem Fall beeinflusst. Der Heilungsverlauf und das angestrebte Therapieziel kann trotzdem noch erreicht werden.

Da das Flossing eine sehr aggressive Therapiemethode ist, ist eine Aufklärung der Patienten enorm wichtig.

Das Prinzip des Flossings

3 grundlegende Effekte sind für die Wirkungsweise des Flossings verantwortlich und können beobachtet werden.

SCHWAMMEFFEKT

SUBKUTANE IRRITATION

KINETIC RESOLVE

Die Ziele jeder Anlage sind eine  Schmerzlinderung, durch die Beeinflussung des autonomen Reparatursystems des Körper, Verbesserung des Schwellungsabbaus durch eine erhöhte Resorptionsfähigkeit des Lymphgefäßsystems und eine Durchblutungsförderung und Stoffwechselverbesserung. Aber auch während eines Krafttrainings kann auf ein Hypertophieeffekt Einfluss genommen werden.

Der Schwammeffekt

Bei dieser Behandlung wird sich eben genau die Funktion des Schwammes zu eigen gemacht. Durch eine extrem hohe Kompression wird das Gewebe quasi wie ausgedrückt. Der gesamte venöse Abfluss wird abgeschnürt und der arterielle Zufluss gehemmt. Bei Gelenkanlagen wird ein extremer Hochdruck im Gelenk erzeugt. Die Zellen werden wie ein Schwamm ausgepresst. Im ersten Augenblick erscheinen diese Therapieeigenschaften erstmal sehr negativ. Der Stoffwechsel im abgeschnürten Bereich liegt lahm. Jedoch wird dieser negative Zustand lediglich für maximal 2 Minuten aufrechterhalten. Durch diesen Zustand des Mangels reagiert der Körper nach auflösen der Kompression sehr effektiv mit einer Mehrdurchblutung, frische Zellflüssigkeit strömt ein und schwemmt alte hinaus und der Lymphfluss wird um ein mehrfaches gesteigert. Bei Gelenkeinlagen wird die Trophik des Gelenkes verbessert und die Gelenkschleimhaut besser ernährt. Eben genau der Effekt eines Schwamms. Die Regenerationsfähigkeit kann dadurch gut unterstützt werden, die beanspruchte Muskulatur kann so besser mit neuen Stoffen versorgt werden und die Durchblutung verbessert werden.

Ein weitere Effekt des Flossens ist der Effekt des Kinetic Resolve. Übersetzt bedeutet resolve sowas wie lösen. Hierbei werden mechanische Crosslinks im Gewebe bzw. Verklebungen der Faszie gelöst. Dies geschieht während der Anlage durch Bewegen des Gewebes. Bei dieser Anlage entsteht durch die Bänder eine hohe Kompression, wodurch sich Haut und Band miteinander verbinden. Durch die Bewegung wird dann eine Verschiebung des subcutanen Gewebes ( Unterhaut; Faszie, Muskeln usw.) hervorgerufen, so werden interfasziale Crosslinks ( Verklebungen) gelöst. Zugleich wird durch die starke Verbindung zwischen Haut und Flossingbändern ein Unterdruck, ähnlich dem aus der Technik des Schröpfens bekannt, hervorgerufen. So kann während der Behandlung eine hohe Verschiebung der unterschiedlichen Gewebsschichten in alle Richtungen erreicht werden.

Die letzte Wirkungsweise ist die Subcutane Irritation. Diese ist uns unbewusst schon häufig in unserem Alltag begegnet und bestens bekannt. Wenn man sich heftig am Schienbein oder Ellenbogen stößt fangen wir an diesen zu reiben, dies geschieht meistens unbewusst als Reaktion auf den Schmerzreiz. Diese Rektion ist jedoch nicht nutzlos, sondern hat einen tiefen neurologischen Hintergrund. Die Mechanorezeptoren leiten ihre Reize ( Druck, Reibung, Bewegung etc.) schneller weiter als die Nozizeptoren ( Schmerzrezeptoren). Somit kommt es bei gleichzeitigem Auftreten beider Reize zu einer Überlagerung des Schmerzreizes kommen. Der Schmerz wird somit nicht mehr so stark und deutlich wahrgenommen. Dies wird dann als subcutane Irritation bezeichnet, was nichts anderes bedeutet, als dass sich die Mechanorezeptoren im subcutanen Gewebe befinden und man über Impulse auf der Haut diesen Effekt hervorrufen kann.

Applikationstechnik

Mit der Anlage beginnt man immer am körperentferntesten Punkt des Bereiches den man behandeln möchte. Der erste Rundzug bildet die Basis der Anlage und sollte schon mit deutlichen Zug von 50-60% des Bandes angebracht werden. Dann wird das Areal rund nach oben abgebunden. Das Band sollte hierbei immer um 50% überlappen. An der Hauptstelle/ Behandlungsstelle/ Schmerzstelle sollte dann ein Zug von 80% oder mehr aufgebaut werden. Dieser darf aber nicht zirkulär werden, so gibt man auf der Behandlungsstelle z.B. Oberschenkelvorderseite 80% Zug und auf der Oberschenkelrückseite geht man wieder auf 50% zurück. Ansonsten sorgt man für eine extreme Kompression im gesamten Gewebe, was gewisse Gefahren mit sich bringt. Das Ende des Bandes wird einfach in der Anlage eingeklemmt. Da durch diese Anlagen ein extremer Reiz ins Gewebe gegeben wird und man stark auf den Durchblutungskreislauf des Gewebes Einfluss nimmt, sollte die Anlage nicht länger als 2 Minuten angelegt werden. Bei einem unwohlen Gefühl oder Symptomen wie Taubheit oder Schmerzen unterhalb der Anlage sollte die Anlage sofort aufgelöst werden.

In der Anlage kann nun aktiv mit allen bekannten Bewegungen gearbeitet werden um den Effekt des Kinetiv Resolves (s.o.) zu erreichen. Hierbei können in der Regel Schmerzen entstehen, diese sollten aber nicht die bekannten Schmerzen sein, sondern Schmerzen die durch die Reizung der Rezeptoren und welche durch das Durchbrechen der Crosslinks und anderen Faszienverklebungen erzeugt werden.

Nach 2 Minuten sollte dann das Band so schnell wie möglich abgenommen werden, um den gewünschten Effekt der Mehrdurchblutung im Körper zu erzeugen. Dies dient zur Versorgung des abgeschnürten Gewebes, diesen Effekt kann man gut durch aktives Bèwegen unterstützen. Auch visuell wird der Schwammeffekt gut deutlich, nach der Applikation ist die Haut noch weiß bis manchmal sehr bläulich. Nach und nach kann man sehen, wie das Areal langsam errötet.

Eine Besonderheit bei der Applikation  gilt bei der Schwellung: Die Anlage beginnt ca. eine Handbreit unterhalb der Schwellung und wird mit kontinuierlichem Zug von 50% mit 1,5cm  Überlappung angebracht. Die Anlage geht bis eine handbreit über das Schwellungsgebiet. Wichtig ist, dass der Zug kontinuierlich angebracht ist und keine Stelle ausgelassen wurde. Danach wird in alle Richtungen bewegt, gleichzeitig können Griffe der Lymphdrainage angebracht werden. Nach einigen Minuten wird die Anlage dann gelöst. Der Vorgang sollte 20-30 Minuten wiederholt werden.

Kelly Starrett verwendet häufig aufgeschnittene Fahrradschläuche als Ersatz zu teuren Flossbands. Davon haben wir Triathleten wohl genug zu hause rum fliegen.