Bikeoptimization bei Gebiomized

Die Planung für 2017 ist im vollem Gange und wir drehen momentan an jeder Schraube die wir finden können um 2017 voll durchstarten zu können. Eine davon ist das Rad. Eine wie ich finde enorm wichtige Schraube. Denn 1000nde von Km werden drauf abgespult, prozentual verbringen wir darauf die meiste Zeit im Training und auch im Triathlon nimmt das Rad fahren bei den meisten Athleten die meiste Zeit in Anspruch. Da sollte doch ein wichtiges Ziel sein sich auf seinem heiligen Hobel wohl zu fühlen.

Mein Rad hatte ich vor 2 Jahren gebraucht von einem Bekannten erworben. Sattel runter, drauf gesetzt, die Füße kamen an die Pedale  und die Arme lagen im 90° Winkel auf den Armschalen. Passt also. Mehr wurde bis heute daran nicht verändert. Vielleicht mal ein Spacer hoch, mal einer runter aber das war es auch schon. Eigentlich konnte ich mich auch nicht beschweren, mich plagten keine Beschwerden, der Rücken tat nicht weh, die Füße schliefen nicht ein, nur der Popo tat nach ein paar km etwas weh. Das war es auch schon. Jetzt fragt ihr euch wahrscheinlich warum jetzt ein mega Bikefitting? Es ist doch alles tuti. Ich konnte mir einfach nicht vorstellen, dass es so einfach sein sollte. Wenn es das war, konnte ja jeder erfahrene Radfahrer ein Rad einstellen und für was zum Teufel braucht man denn  dann die ganze Technik. Mit den Füßen an die Pedale kommen kann doch nicht alles sein. Ich war also neugierig, was raus kommt.

Warum wir jetzt dafür bis nach Münster gefahren sind? Zum einen arbeitet dort die liebe Lotte, eine ehemalige Arbeitskollegin von mir und demnach auch Physiotherapeutin. Was für mich die Sache besonders spannend machte, da ich wusste dass sie die ganze Sache nicht nur von der technischen Seite aus betrachtet, sondern auch die menschlichen Möglichkeiten berücksichtigt. Außerdem arbeiten bei Gebiomized die Fachleute in Sachen Bikefitting, über die ISCO bilden sie international, Fachpersonal zu Bikefittern aus und haben ein unheimliches Know How. Deswegen nach Münster.

Freitag morgen kamen wir, pünktlich um 10 Uhr dort an und wurden herzlichst empfangen. Ich war mega gespannt und aufgeregt was uns jetzt erwartet. Ich wusste, dass ich in erster Linie nur Rad fahren musste. Eigentlich das was ich am liebsten tue. Mein Vertrauen lag ganz in Lottes Hand. Als erstes wurde mein Rad auf einer Plattform eingespannt, auf der ich von allen Richtungen gefilmt werden konnte.  Das ganze Equipment wurde begutachtet und im Anschluss natürlich ich. Meine Beweglichkeit war gut, keine Einschränkungen oder ähnliches zeigte sich während den Test. Ready to check the bike. Schnell wurde klar, dass es einiges zu optimieren bzw. gebiomizen gibt. Von hinten betrachtet, juckelte ich nur so auf meinem Sattel rum, wodurch einem auch klar wurde warum ich immer so Poweh habe und von vorne fuhr ich durch die Gegend wie ein Traktor. Nach Lottes logischen Erklärungen wurde mir dann schnell klar, dass es nicht ausreicht nur mit den Füßen an die Pedale zu kommen. Schnell wurde klar, mein Sattel muss tiefer und meine Armpads enger zusammen. Mein Hauptgewicht ruhte zu dem Zeitpunkt noch auf den Armschalen und nicht auf dem Sattel. Jedoch zeigte die Druckmessung deutlich meine Reibestellen auf.

Im nächsten Schritt wurde dann mein Fahrrad total zerlegt. Die Sattelstütze gekürzt, der Lenker komplett auseinander genommen und einen neuen Sattel von Cobb montiert, der viel schmaler als mein alter ist, das System jedoch blieb das gleiche. Das erste fahren fühlte sich mega gut an. Ich fühlte mich sofort wohl in meiner neuen Sitzposition und auf dem neuen Sattel, was nicht so oft der Fall ist. Auf den bewegten Bildern zeigte sich deutlich eine Verbesserung der Beckenstabilität, das rumjukeln wurde viel weniger. Mein Armschalen rückten ganz dicht aneinander um die Frontfläche zu verkleinern. An diese Veränderung muss ich mich wohl am meisten gewöhnen, ich merke deutlich die Spannung zwischen den Schulterblättern, aber auch daran wird sich mein Körper wohl gewöhnen. Das ist also meine neue Grundeinstellung, die wir mit dem Material was mir zur Verfügung stand einstellen konnten. Aber fertig sind wir noch nicht. Beim Fitten kann man ehrlich sagen der Weg ist das Ziel, ständig könnte man hier noch en bisschen was verändern und dort noch rumschrauben. Aber nach 3 Stunden denken, tüfteln und arbeiten war erstmal Schluss. Die ersten Schritte sind gemacht und die nächsten Schritte sind schon gedacht. Aber nun heißt es erstmal sich an die neue Position gewöhnen und fahren, fahren und fahren. Das mach ich ja am liebsten. Aber was bringt mir das jetzt alles.

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Verringerung der Sitzhöhe

Durch die Verringerung der Sattelhöhe soll die Maximalbelastung auf dem Sattel reduziert werden, wodurch häufig Sitzbeschwerden hervorgerufen werden. Auch bei mir veränderte sich der Druck auf dem Sattel. Nicht nur die punktuelle Druckverteilung, auch die prozentuale Gewichtverteilung veränderte sich. Vorher ruhte das meiste Gewicht auf den Armen, nach der  Veränderung der Sitzposition konnten wir mehr Körpergewicht auf den Sattel verlagern. Durch diese Veränderung wird eine enorme muskuläre Belastung erreicht. Der Körper muss sich nicht ständig in einem Unterarmstütz stabilisieren. Mein zweites Problem, das instabile Sitzen wurde dadurch ebenfalls behoben. Die Verringerung der Sitzhöhe minimiert meine rechts/ links Bewegungen des Beckens. Durch die Minimierung des Kniewinkels wird gleichzeitig erreicht, das ich mehr Druck auf die Pedale erzeugen kann. Gleichzeitig minimiert sich der Flexionswinkel im Fuß, wodurch der Druck besser auf das Großzehengrundgelenk  und weg von den Zehen geleitet werden soll, die für solch eine starke Druckbelastung weniger geeignet sind. Dadurch wird eine bessere Druckübertragung am tiefsten Punkt erreicht. Die aufgewendete Kraft wird bei einer Reduktion des Spitzfußes direkter in die ideale Tretrichtung geleitet. Der Fuß kann sich insgesamt besser stabilisieren und minimale Ausweichbewegungen werden reduziert.

Veränderung der Position der Armpads

Bei der Ausgangsposition lagen meine Arm sehr breit auf meinem Lenker. Die Ellenbogen ragten weit nach außen und vergrößerten meine Frontfläche enorm. Hier lag einiges an Verbesserungspotential. Die Pads kamen maximal eng zusammen um den Luftstrom direkter an meinem Körper vorbeizuführen, Ellenbogen und Hüfte liegen nun auf einer Linie zu einander. Die Stirnfläche wurde dadurch deutlich verkleinert und die Angriffsfläche damit verringert.

Was noch zu erledigen ist

Eine neue Kurbel muss besorgt werden. In Zukunft werde ich eine Kurbel mit einem 165mm Kurbelarm fahren.

Warum?

Da ich das Glück habe, doch ganz gut beweglich zu sein habe ich aufgrund meiner großen Hüftflexion die Möglichkeit eher eine sportliche Position zu fahren. Das bedeutet, das Cockpit muss nun tiefer. Aufgrund der verringerten Sitzhöhe wäre das momentan nicht umsetzbar. Der Hüftbeugewinkel würde in der obersten Kurbelpostion zu eng werden, was zur Folge hat, dass die Kraftentfaltung des Oberschenkelmuskels in dieser Position zu stark gehemmt wird. Durch die Verkürzung des Kurbelarms wird dieser in der obersten Position wieder ein bisschen geöffnet. Dadurch kann dann das Cockpit ein bisschen tiefer gesetzt werden was wiederum eine Verkleinerung der Stirnfläche und dementsprechend eine Reduktion des Luftwiderstandes zu Folge hat. Die Folge ist eine maximale aerodynamische Sitzposition ohne Verlust der Kraftübertragung.

Eine weitere Überlegung sind Einlagen im Radschuh,  da mein Fuß in der Druckmessung zeigte, dass dort die Druckverhältnisse nicht optimal sind. Durch die Einlagen wird der Fuß optimal gestützt und der Druck auf die Hauptpunkte besser verteilt

last but not least

Der Besuch in Münster war wahnsinnig spannend und ich hab viel über mich und mein Fahrrad gelernt. Biomechanik ist echt mega interessant und so macht Physik im Gegensatz zur Schule auch Spaß. Schließlich hat es was mit der liebsten Sache der Welt zu tun, dem Fahrrad fahren. Jetzt steht mein Rad optimal da, besser geht es nicht. Vielleicht werde ich dadurch auch ein bisschen schneller,  aber treten muss ich immer noch selbst. Auch beim Sachen Bikefitting haben wir gelernt, dass es große Unterschiede gibt. Logo saßen Flo und auch ich schon gut auf unserem Rad, das wussten wir auch schon, schließlich haben wir uns auch schon vorher wohl darauf gefühlt. Aber diese kleinen Nuancen hätten wir niemals alleine einstellen können. Wir sind glücklich da gewesen zu sein und uns einig, dass es gut investiertes Geld ist.

 

Fragen an Lotte von Gebiomized

Lotte ist Physiotherapeutin MSc und arbeitet seit 2013 bei Gebiomized.

Lotte Kraus

Für wen ist eigentlich so ein Bikefitting interessant und sinnvoll?

Für jeden Radfahrer, der nicht nur zum Bäcker und zurück fährt. Zumeist buchen Sportler den Service, wenn sie bereits Beschwerden beklagen oder aber sehr ambitioniert sind, und sichergehen wollen, dass sie alles aus ihrem Material herausholen.
Ein professionelles Bikefitting sollte aber von allen Fahrern in Anspruch genommen werden, die mehrere Stunden in der Woche auf dem Rad sitzen, um Überlastungserscheinungen oder auch eingeschränkten Spaß gleich vorzubeugen.

Gibt es unterschiede zwischen eine Hobbysportler und Profis?

Ja, einige. Die Limitierungen durch Sponsoringverträge und ein enger Rennkalender sind hier nur die deutlichsten Unterscheidungen. Wir haben einen Blog zu diesem Thema geschrieben:
http://gebiomized.de/2015/08/31/was-haben-hobbyfahrer-was-profis-nicht-haben/

Wie findest du diese Bewegung, das mittlerweile viele Radhersteller auch spezielle Frauenräder herstellen, ist das auch im Triathlonbereich sinnvoll für uns Mädels auf so ein Rad umzusteigen.

Spezielle Frauen / Männerräder machen keinen Sinn, wenn sie nicht jeweils individuell zu der jeweiligen Frau, dem jeweiligen Mann passen. Meist sind außerdem die sogenannten „Fruenräder“ einfach nur Komfortgeometrien mit einem schlechten Preis/Leistungsverhältnis bezogen auf dei verbauten Komponenten.
Es gibt allerdings einzelne Konzepte, die interessante Aspekte beinhalten, wie den Vorbau von relevant kurzen Kurellängen beispielsweise

Fallbeispiel: Ein Hobbyathlet hat sich ein neuen Triathlonrad gekauft nun hat er noch 1000 Euro übrig. Er fragt sich jetzt in was er noch investieren sollte. Zur Auswahl stehen Wettkampflaufradsatz (1000Euro), ein Wattmessgerät (700-800Euro), ein TT Helm (200-300Euro), Langarmeinteiler (200 Euro) oder ein Bikefitting. Was würdest zu ihm antworten, bzw. was sind für dich sinnvolle Investitionen.

Das würde ich von der individuellen Bedürfnissen abhängig machen, bspw:
– Beschwerden / Schmerzen / eingeschränktes subjektives Leistungsgefühl auf dem Rad: Bikefitting & Wattmesser
– keine Beschwerden / nicht zufrieden mit Trainingsfortschritt: Wattmesser und Leistungsdiagnostik mit Trainingsanweisung
– keine Beschwerden und gutes Gefühl “ Druck auf die Pedal zu bekommen, sehr zufrieden mit Trainingsfortschritten: Laufradsatz

als letztes I-tüpfelchen (nach OPtimierung von ERgonomie und Trainingsstruktur) würde ich dem Sportler zur Investition in teure Details wie Einteiler und Aerohelm raten.

 

 

 

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