absolut Kult der Kult Triathlon im Allgäu

Als letzten Vorbereitungswettkampf für die Challenge Walchsee Kaiserwinkel hatte ich mir den Allgäutriathlon in Immenstadt ausgesucht. Ebenso anspruchsvoll wie der Heidelbergman und gespickt mit Höhenmeter auf Laufstrecke und Radstrecke sollte die letzte Power in die Beine kommen um auch auf der anspruchsvollen Mitteldistanz in Tirol bestehen zu können.

Um noch ein paar Höhenmeter in die Beine zu bekommen und uns ausgiebig die Rad- und Laufstrecke anschauen zu könne reisten wir schon eine Woche vor dem eigentlichen Wettkampf ins Allgäu und genossen das tolle Wetter und die Natur. Im Voralpenland lässt sich hervorragend trainieren und auch vom Alltagsstress kann man dort hervorragend abschalten. Von Kuhglocken morgens geweckt starteten wir in jeden neuen Tag und ich war gespannt welche Herausforderung heute auf mich wartete. Im Vorfeld hatte ich einige Hürden zu überwinden, neben falscher Übersetzung auf dem Rad und gerissenem Einteiler zeigte auch eines morgens mein Akku der Di2 nur noch rot statt grün.

Pünktlich zum Wettkampfwochenende stellte sich der für diesen Wettkampf typische Wetterumschwung ein, was mehr Regen und ca.10 Grad weniger bedeutete. Im Netz laß man schon von einer Namensänderung von Kult zu Kalt. Dieses Wetterphänomen  konnten wir schon im letzten Jahr bestaunen als ich mich bei meinem Staffelstart bei 14 Grad Außentemperatur in den Alpsee stürzen durfte. Zum Glück sollte es nicht so schlimm werden.

Durch die zentrale Lage unseres Campingplatzes waren wir morgens schon mitten drin im Wettkampfgeschehen. Die Wechselzone direkt in der Nachbarschaft und der Schwimmstart nur 400m entfernt, machte den morgen um einiges entspannter. Nach dem Frühstück, checkte ich quasi im Schlafanzug mein Rad ein und bereitete alles vor. Bisher blieb noch alles trocken. Durch die verschiedenen Distanzen war mein Start um 9:10, 1:10 nach Flo, was mir die Möglichkeit verschaffte ihn beim Schwimmausstieg zu sehen. Nach dem er schnell und gut aufs Rad gewechselt ist konzentrierte ich mich auf meinen Wettkampf und begann mich warm zu machen. In der Deutschenmeisterschaftswertung fühlte ich mich extrem unwohl, es war ja auch mein erster Start bei nationalen Meisterschaften. Schließlich wollte ich hier nicht auf Titeljagd gehen, sondern nur einen harten Wettkampf machen. Wir Mädels starteten pünktlich um 9:10 alleine in einer Startgruppe, das machte das Schwimmen zu Beginn sehr entspannt, doch nach ca. 900m erreichten wir nach einer Runde im See den Bühler Hafen, in dem sich doch eine Vielzahl der Männer befanden, die in den Startgruppen vor uns waren. Ab hier war es mit dem entspannten schwimmen vorbei. Beim Landgang hatte man das Gefühl anstehen zu müssen und auch danach musste man sich durch zahlreiche Brustschwimmer und langsamere Männer kämpfen. Noch dazu  kam, dass nun auf der langen Geraden Richtung Schwimmausstieg sich das Wetter verschlechterte. Es regnete und auch der Wind nahm enorm zu, wodurch einige Wellen einen durch das Wasser schüttelten.Ich für meinen Teil kam dabei ganz schön aus dem Rhythmus und lies doch einiges an Zeit im Alpsee liegen. Nach dem langen Weg in die Wechselzone, schob ich nach ca. 32 Minuten mein Rad auch raus. Durch die Schwimmzeit war ich doch ein bisschen enttäuscht und musste mich auf dem Rad erst ein bisschen fangen, was doch ein paar Km gedauert hat. Die Zuschauer am Kalvarienberg trugen ihren Teil dazu bei, dass ich nicht wie viele andere bei 17% Steigung  absteigen musste.Erst kurz vor dem Berg in Niedersonthofen merkte ich, dass doch noch was nach vorne geht und fing mich wieder. Ab da lief es wie am Schnürrchen, ich hatte mich in einer Gruppe von Männern festgebissen und machte auch im Damenfeld einige Positionen gut, diese Position konnte ich bis zum Wechsel behaupten. Nach 1:32 wechselte ich in die Laufschuhe. Jetzt wollte ich nur noch einen super Lauf hinlegen, wenn schon schwimmen und radeln nicht optimal lief, wollte ich mir wenigsten zeigen, dass beim Laufen alles stimmt und gab ab den ersten Metern Gas, was sich auch auszahlte, denn auch hier konnte ich Boden gut machen. Die wellige Laufstrecke ist nicht weniger anspruchsvoll wie die Radstrecke. Die Kräfte mussten eingeteilt und ein paar Körner mussten noch für den Kuhsteig aufgehoben werden. Ein ca. 300m langer Anstieg auf dem sonst die Kühe auf die Wiesen getrieben werden mit mehr als 20% im steilsten Anstieg musste man dort hinauf, bis man dann bis Immenstadt die Beine ein bisschen locker machen konnte. Die Stimmung auf dem Marktplatz in Immenstadt war super, angefeuert durch die Fans konnte ich auf den letzten km nochmal richtig Gas geben. Schließlich wusste ich jetzt geht es nur noch ins Ziel. Keine Anstiege mehr, kein Kuhsteig mehr, sondern nur noch nach Bühl ins Ziel. Die letzten Meter waren super. Die Beine fühlten sich gut an. Die Mädels vor mir in Sichtweite doch zu weit weg um sie auf den letzten km einzuholen. Im Ziel angekommen war ich total fertig. Beim Laufen hab ich alles rausgeholt und konnte super zu frieden sein, nie zuvor bin ich bei einem Triathlon eine 46er Zeit gelaufen . Auch auf dem Papier sah es dann besser aus wie erwartet: Mit dem 31. Gesamtplatz und 4. Platz in meiner Altersklasse lag ich weit über meinen Erwartungen. Bei der DM Wertung wäre auch mit Schwimmbestleistung und ein paar Minuten schneller auf dem Rad nicht mehr drin gewesen. Bei allen Höhen und Tiefen während des Wettkampfes so wohl emotional als auch witterungsbedingt, waren immer Zuschauer an der Seite, die wirklich jede/n Starter/in anfeuerten und motivierten. Genau diese Stimmung macht den Kult Triathlon wirklich zum Kult und das schon 34 Jahre.

Im Ziel sah ich dann schon Flo stehen, der leider auf der ersten Runde in einer super Position das Rennen wegen einem Defekt aufgeben musste. Mit ein paar Tagen Abstand haben sich bei uns beiden die Emotionen ein bisschen gesetzt. Ich bin nun mehr als zufrieden mit meinem Wettkampf. Ich wollte einen harten Wettkampf und bekam einen harten Wettkampf. Wir beide blicken nun nach vorne Richtung Challenge Walchsee und sind motiviert zum Saisonabschluss nochmal alles zu geben.

 

 

 

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Heidelbergman Heartbreak Triathlon

Nach einer kurzen Verletzung bzw Laufpause durch meine Sehnenscheidenentzündung des Tibialis posterior bekam ich Anfang der Woche das Go vom Arzt wieder voll einstiegen zu dürfen. Wobei ich ja nie eine vollständige Pause gemacht habe, die letzten Wochen waren nur stark vom Radfahren geprägt und weniger vom Laufen. Also fühlte ich mich auch in der Lage am Sonntag beim Heidelbergman an den Start zu gehen. Mittwoch wurden nochmal Bergintervalle geballert, um den Fuß einer Belastungsprobe zu unterziehen. Es war alles im grünen Bereich, also grünes Licht für Heidelberg. Die Vorfreude war groß. Nach vier langen Wochen endlich wieder ein Wettkampf und vom Heidelbergman hatte ich im Vorfeld nur positives gehört. Zwar wusste ich, dass sowohl das Radfahren als auch das Laufen extrem hart sein soll, aber belohnt werden würde man von einer tollen Stimmung in Heidelberg und rund um den Neckar. Für mich sollte das ein erster Belastungstest im Hinblick auf meine erste Mitteldistanz im September werden.

Da der Startschuss in Heidelberg schon um 9:30 fiel, entschieden wir uns unseren T4 zu beladen und schon am Samstag nach Heidelberg zu düsen um doch eine gute Stunde mehr Schlaf ab zu bekommen. Vor Ort konnten wir uns ein erstes Bild von Heidelberg und den Wettkampfort verschaffen und so langsam dämmerte uns wie hart die ganze Sache werden sollte. Zumindest waren wir gut informiert und vorbereitet; so blieb das TT zu Hause und wir reisten mit unseren Rennrädern an, wie 98% des Starterfeldes. Der Wettkampftag an sich fühlte sich extrem entspannend an, vielleicht auch deshalb weil man sich um Zeiten wenig Gedanken machen musste. Ich konnte die Strecke kein Stück einschätzen, einzig und allein, dass es hart wird und ich mir meine Kräfte einteilen muss war mir bewusst. Mit 1,6 km schwimmen, 36km Rad fahren und 10km laufen liest es sich erst wie eine ganz normale Kurzdistanz. Doch auf dem Rad mussten 850hhm und beim laufen 165hhm überwunden werden.

Nach der Wettkampfbesprechung ging es mit den restlichen Starten zu Fuß Richtung Schwimmstart. Der Neckar hatte ordentlich Strömung, was mir doch ein bisschen Respekt einflößte. Nach dem Startschuss versuchte ich mich so gut wie es ging in das Starterfeld einzufügen, jedoch waren die 1,6km geprägt von Tritten und Schlägen wodurch ich nur schwer in einen guten Rhythmus fand. Auch beim Ausstieg musste ich mich mit Händen und Füssen gegenüber den Männern behaupten und krabbelte auf allen vieren die Treppe am Ausstieg hoch. Nachdem ich ein Blick in die Wechselzone werfen konnte stellte sich durchaus ein zufriedeneres Gefühl ein. Erheblich viele Räder standen noch dort, so kam ich unerwartet im vorderen Drittel aus dem Wasser. In der Wechselzone lief alles nahezu perfekt uns so saß ich nach knapp einer Minute auf dem Rad. Über holpriges Kopfsteinpflaster ging es durch Heidelberg; nach 2 km ging es schon bergauf. Anstiege von 14% galt es zu erklimmen und auch wieder bergab zu fahren. Ich hatte von Anfang an kein schlechtes Gefühl in den Beinen und so konnte ich die ungeliebten Berge gut bergauf und auch bergab fahren. Nach 1:28 stellte ich mein Rad wieder in der Wechselzone ab. Einen knappen 24er Schnitt hatte ich noch nie in einem Wettkampf, aber auch die Topstarter bissen sich nahezu am 30 er Schnitt die Zähne aus. Die erste Challenge war geschafft. Nach einem schnellen Wechsel in die Laufschuhe und kurzer Orientierungslosigkeit in der Wechselzone befand ich mich auf dem Weg Richtung Philosophenweg. Am morgen erzählte uns noch der spätere Sieger und Ironman Texas Sieger Patrick Lange, dass das erste Stück so steil wäre das man im gehen fast schneller sei. 12% hieß es von Heidelberg raus zu erklimmen. Genau dort kam mir Patrick schon auf dem Weg Richtung Ziel entgegen und ich erinnerte mich schmerzlich an seine Worte am morgen. Aber ich entschied mich nicht zu gehen und lief das Stück so gut wie es ging mit kleinen Schritten nach oben. Genau auf solche Passagen hatte mich meine Trainerin Nina Vabic in der Woche vorher vorbereitet. Sowohl das Bergauf- als auch das Bergablaufen wurde nochmal intensiv trainiert, was mir an dieser Stelle gut half. Auf den 4km des Philosophenwegs begegneten uns immer wieder Wanderer und Touristen, die an den Aussichtspunkten den Blick über Heidelberg genossen. Für diese Aussicht hatte ich jedoch keine Zeit, ich wollte so schnell wie es ging den Wendepunkt erreichen, denn damit waren die Höhenmeter vollbracht und nach Hause, Richtung Ziel ging es dann nur noch bergab. Jedoch war auch dies nicht so einfach und man darf das Bergablaufen auf keinen Fall unterschätzen. Was im Training als Erholung genutzt wird, diente hier nochmal um Tempo zu machen und die Zeit wieder reinzuholen. Auf dem letzten km Richtung Ziel musste ich ordentlich kämpfen, die Beine waren wie Beton und ich war fix und fertig. Im Ziel merkte ich dann schnell, dass ich meine erwartet Zeit weit unterboten hatte und mit einer 48er Zeit ins Ziel einlief. Mit einem rundherum zufriedenen Wettkampf belohnte ich mich an der Kuchentheke. Mit dieser Leistung hätte ich im Vorfeld nicht gerechnet und stimmt mich mehr als positiv für meine Mitteldistanz. Am Ende kann ich in einem starken Starterfeld einen 18. Platz gesamt und den 2. Platz in meiner Altersklasse verzeichnen. Der Heidelbergman hat mein Herz nicht gebrochen, stattdessen habe ich einen neuen Lieblingswettkampf dazu gewonnen. Tolle Stimmung und Organisation runden den Tag ab. Ein Wettkampf den ich nur empfehlen kann. Schreibt ihn euch auf die To Do Liste.

Jetzt freue ich mich auf meinen letzten richtigen Belastungsblock der dann mit dem Allgäutriathlon in Immenstadt abgeschlossen wird.

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