My Way. Wie alles begann. / der erste Triathlon und eine Schwimmwette.

An meinen ersten Triathlon kann ich mich ganz genau erinnern. Ich war nervös ohne Ende, die Vorbereitung war eher mässig und mein Equipment zusammen gebastelt und ausgeliehen. Anfang September, genau am 6. September 2012 begann mein Leben als Triathletin. Heute ist da für mich schon die Saison vorbei, damals fing es gerade erst an. Am Alzenauer See beim Volkstriathlon wurde mein eigenes Triathlonfeuer entfacht. Aber wie kam es dazu?

Sportlich hab ich schon einiges gemacht; turnen, tanzen, Handball und Skifahren standen schon auf meiner Liste. Aber wie das so ist, die Umgebung und das Elternhaus prägen einen und ein Ausdauersportler geschweige denn ein Triathlet, hatte sich in mein Umfeld als Jugendlicher nie verirrt. Ich hörte von Menschen die Marathon oder Halbmarathon liefen aber von Triathleten hatte ich im beschaulichen Vogelsberg noch nie gehört. Nach dem Umbau unseres Schwimmbades in ein Spassbad existierte kein Schwimmverein mehr, Leichtathletik wurde eher stiefmütterlich im Sommer von Turnern bestritten und Rennrad fuhren nur alte Männer, so mein Bild der 3 Sportarten bis zu meinem Umzug nach Offenbach.

2009 änderte sich mein Leben enorm. Ich wurde erwachsen. Meine Ausbildung lag hinter mir und beruflich musste ich nach Offenbach am Main ziehen. Dieser Umzug änderte vieles. Auf einmal hatte ich eine Marathoni, eine Mountainbikerin und einen Triathlet als Arbeitskollegen und ich musste durch eine alte Verletzung das Handball spielen aufgeben. Anfangs versuchte ich mich alternativ im Fitnessstudio fit zu halten. Aber ich merkte schnell, dass sowas nicht ganz mein Ding ist. Irgendwas musste ich finden, ich habe schon immer Sport gemacht, so einfach fit halten ist einfach nicht mein Ding. Ich brauche ein Ziel und vor allem Struktur. Durch meinen Bruder und durch meine Arbeitskollegin Lotte kam ich mit dem Mountainbike in Kontakt. Auf ihrem alten Esel lernte ich die Trails im Taunus zu bezwingen und kam das erste mal so richtig mit einem Ausdauersport in Kontakt. Durch sie lernte ich die Liebe zum Radfahren kennen. Es folgte mein erster Wettkampf und da war die Motivation und der Ehrgeiz war geweckt. Auch in meinem Patientenumfeld tummelte sich auf einmal Marathonis und Triathleten. Zwei von ihnen sind heute Teamkollegen/innen. Nun lässt sich die Brücke zum Triathlon leicht schlagen 😉

Mein Triathloneinstieg hab ich besonders meiner damaligen Patientin und heutigen Freundin Aldona zu verdanken. Ihr Laster, das Rauchen bescherte mir meinen ersten Schwimmunterricht. Grundlage dafür war eine Wette, 1000m kraulen gegen Nikotinentzug. Da war ich sofort dabei. Ich stellte mich dieser Aufgabe, mit Freude und Begeisterung. Rauchen find ich sowas von unsinnig. Ich war motiviert und sie schlug zwei Fliegen mit einer Klappe. In einer heimtückischen Verkupplungsaktion lernte ich an einem Abend in einer Offenbacher Pizzeria, meinen Schwimmtrainer und heutigen Freund kennen. Durch das morgendliche Training waren die nächsten Dates gesichert. Ich war mega motiviert und strengte mich ordentlich an und nach 6 Wochen konnte ich 1000m kraulen. Die Wette war geschafft. Aber Aldona, noch mitten in ihrer Kreuzbandrisskrise und noch nicht annähernd soweit das rauchen aufzuhören, wie ich mit schwimmen, benötigte noch mehr Zeit. Also musste eine neue Aufgabe her und alle waren der Meinung ,es wäre Zeit für einen Triathlon. Ich zweifelte noch ein wenig am meiner Triathlonkarriere und so wurde ich auf eine kleine Reise eingeladen. Zielort Rothsee, Langdistanz Challenge Roth. Ein Freund und ebenfalls Patient machte sich dort auf die lange Reise von 3,8km Schwimmen 180km Rad fahren und 42km laufen und ich/ wir waren das Supporterteam. Flo erhaschte noch einen Platz in einer Staffel als Schwimmer und so war ich auf einmal mitten drin. In Roth im Herzen des Triathlons. An diesem Wochenende geschah es dann, am Fuße vom Solarer Berg bei strahlendem Sonnenschein wurde das Triathlonfieber entfacht. Dieses Erlebnis, diese Energie und der Spirit an diesem Tag bereiten mir immer noch Gänsehaut. Das war der erste Triathlontag in meinem Leben.

Danach fing ich an zu trainieren: schwimmen, Rad fahren und laufen. Der Sommer war schon im vollen Gange und um einen Volkstriathlon zu schaffen musste ich noch ein bisschen trainieren. Wann war ich bereit? Wie fit muss man sein um sowas zu schaffen? Im August schaute ich dann, was bei mir so in den nächsten Wochen traithlonmässig so los ist. Ich wollte auch unbedingt eine nicht so große Veranstaltung für meine Debüt, die Angst mich zu blamieren war doch sehr groß. Am 6. September 2012 beim Alzenauer Triathlon  war es dann soweit, 550m Schwimmen im See, 20km Rad fahren und 5km laufen. Mein erster Triathlon, es war unfassbar hart aber es hat auch wahnsinnig Spaß gemacht. Aldona war natürlich als mein ganz persönlicher Fan dabei. Schließlich war sie ja auch irgendwie verantwortlich für alles, durch ihre besondere Art mit einer gewissen Leichtigkeit und Freude diesen Sport zu betreiben, hat sie mich infiziert.Ab da begann meine Triathlonreise bis heute. Die Ziele wurden immer ein bisschen größer und ich wurde immer ein bisschen bessern. Dieses Jahr stelle ich mich einer neuen Herausforderung, der Mitteldistanz. Aber der erste Triathlon bliebt mir immer in meinem Kopf und bleibt was besonderes.

Frankfurter Halbmarathon/vom Winde verweht

Bei frischem, aber doch frühlingshaften Wetter, machte ich mich früh morgens um acht Uhr auf den Weg Richtung Commerzbankarena in Frankfurt. Da schon zu Beginn des Jahres alle per Voranmeldung zu Verfügung stehenden 5500 Startplätze vergriffen waren musste ich mich um einen der begehrten Nachmeldeplätze bemühen. Um kurz nach acht kam ich mit der S9 am Stadion in Frankfurt an und stürzte mich in das Treiben rund um das Stadion. Noch 500 Nachmeldeplätze standen zu Verfügung. Quer durch die Menschenmasse kämpfte ich mich zu dem Schalter über dem mit großen Buchstaben NACHMELDUNG stand. Schnell füllte ich den Zettel aus, da sich immer mehr Läufer an den besagten Schalter drängten. Die 30Euro auf den Tisch und schon hatte ich meine Startnummer. Ein Glück. Die erste Hürde ist geschafft. Jetzt waren es noch fast 2 Stunden bis zum Start. Alleine schaute ich mich in aller Ruhe um und versuchte mich auf dem sehr großen Gelände zu orientieren. An solch einer großen Veranstaltung hab ich bisher noch nie teilgenommen. So viele Leute, da konnte man schon schnell die Orientierung und den Überblick verlieren.

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Um halb zehn begann ich mit meiner Vorbereitung, ein bisschen warm laufen, ein bisschen Lauf ABC und ein bisschen im WK Tempo. Meine Gedanken waren dabei gar nicht mal so bei den 21 km sondern nur bei meiner Wade. Was macht sie? Zwickt sie, wie fühlt sie sich an und kann ich überhaupt richtig schnell laufen. Seit Mittwoch hatte ich mit enormen Wadenproblemen zu kämpfen. Donnerstag und Freitag war gar nicht an einen Halbmarathon zu denken. Erst durch die Faszienbehandlung und mein aufopferungsvolles Dehnen, rollen und wärmen besserte sich die Situation, so dass ich den Lauf Samstagabend realisieren konnte. Ich hatte alles in meiner Macht stehende getan, dass ich laufen konnte. Ich wollte unbedingt und siehe da die Wade machte nichts. Jetzt stellte ich mir die Frage wie lange wird sie wohl halten? Aber um das festzustellen musste ich erstmal los laufen.

Pünktlich um 10 Uhr fiel der Startschuss für den Elitelauf und danach wurde die große Masse blockweise auf die Strecke gelassen. Mein Plan war die ersten 8km mit dem Pacer der Zielzeit 1:44h mit zu laufen und wenn es dann geht ein bisschen zu zulegen. Vom Stadion aus geht die Strecke durch Niederrad an den Main. Dort erwartete man schon ordentlichen Gegenwind. Mein Plan wurde genau auf diesem Abschnitt zerschlagen. Die Pacerin stieg bei km 3,5 in einer Kurve mit schmerzverzerrtem Gesicht aus. Jetzt musste ich selbst mein Tempo finden und dieses halten. Bis km 10 ging es entlang des Main, hier fühlte ich mich trotz enormen Gegenwind gut und konnte absolut im Soll laufen. 4:55 bei km 10 im Schnitt. Just in time. Ab da geht es über die Stresemanalle wieder zurück Richtung Stadion. Zwischen km 12 und 15 heißt es 25 Höhenmeter überwinden, da merkt man ordentlich seine Oberschenkel. Für Frankfurt ist das ein riesen Berg und genau da passierte es: Ab km 14 ging ich ein wie eine Semmel, der Magen krampfte, der linke Fuß schmerzte, nur die Wade hielt. Am Schlimmsten war dann die Isenburger Schneisse, hier befindet sich nach km 16 der Wendepunkt, viele Läufer kommen einem entgegen und erst nachdem man die 16km passiert hat kann man sich auf den Weg Richtung Stadion machen. Ab km 19 hat man das das Stadion schon in Sicht, doch 3 quälende Km lagen noch vor mir. Mein Schnitt schwand immer mehr dahin, genauso wie die mentalen Kräfte am Laufen zu bleiben.Immer mehr Läufer überholten mich und ich konnte einfach nicht dran bleiben. Der 4:55er Schnitt war schon lange dahin, jetzt konnte ich nur noch Schadensbegrenzung betreiben. Zwar konnte ich das Stadion schon hören und sehen, jedoch musste es noch einmal umlaufen werden bevor man ins Stadion einlaufen durfte und endlich das Ziel sah. Diese Runde zog sich wie Kaugummi und auch der Gegenwind pfiff einem nur so entgegen. Die letzten Meter mussten nun noch bewältigt werden. Im Stadion angekommen war alles verflogen, das Ziel vor Augen und die Stimmung im Stadion verleite mir nochmal kleine Flügel. Mit einer Zeit von 1:48:17 überquerte  ich die Ziellinie. Nicht ganz das was ich mir für den Tag vorgenommen hab, aber auf Grund der widrigen Umstände, dem starken Gegenwind und der Tage davor war ich doch zufrieden.

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Ein Halbmarathon ist eben ein Halbmarathon und man weiß nie was einem auf den 21km erwartet. Ich bin stolz auf mein Finish und es hat mir riesig Spass gemacht in dieser tollen Atmosphäre zu laufen.Nächstes Jahr steht dieser Lauf sicherlich wieder auf meiner Liste, dann aber mit rechtzeitiger Anmeldung und mit ein paar mehr langen Läufen in den Beinen. Jetzt leg ich  erstmal die Beine hoch und mache eine kleine Wettkampfpause. Ein intensiver Laufwinter liegt hinter mir mit vielen tollen Erfolgen und jetzt heißt es alle Augen Richtung Triathlonsaison.

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