Throwback 2015

In einer Saisonpause hat man die Möglichkeit nach vorne und zurück zu blicken. Gutes und schlechtes zu reflektieren und sich Gedanken darüber zu machen, was man erreicht hat und was man erreichen will. Ich bin dankbar dafür, 2016 endlich meinen Traum von einer Mitteldistanz erfüllen zu können, aber der Weg dahin hatte Höhen und Tiefen.

Mein Jahr 2015 fing eigentlich genauso an wie 2014 aufhörte.

Dazu erstmal in die zweite Hälfte 2014 zurück. Nach meiner Saison 2014 entschied ich mich dafür, mir Trainingspläne schreiben zu lassen. Zum einen damit ich mich einfach ein bisschen weniger unter Druck setze und zum anderen sollte es endlich mal vorwärts gehen, was 2014 nicht wirklich der Fall war. In meiner Trainingsgruppe in Offenbach trainiere ich mit ambitionierten Leistungssportlern, die jedes Jahr auf Meisterschaftsjagd auf nationaler und internationaler Ebene gingen. Dadurch setzte ich mich immer zu sehr unter Druck und hatte kein richtiges Gefühl für ein richtiges Maß an Training. Wenn ich da keine zweistellige Wochenstundenzahl nennen konnte, fühlte ich mich schlecht. Ich dachte immer als Triathlet muss man in der Woche locker über 10 Stunden die Woche kommen,egal wie. Das Planen der Trainingseinheiten, das Strukturieren und das Periodisieren stresste mich teilweise mehr als das trainieren selbst. Wenn ich das mir selbst auferlegte Pensum nicht schaffen konnte, geißelte ich mich mit einem schlechten Gewissen und Vorwürfen. Ein Trainer sollte Abhilfe schaffen, mir sagen das machst du und das nicht, das ist gut für dich und das nicht und das trainierst du die Woche, fertig. Ich kann es nur empfehlen, mir ging es sofort besser und war wöchentlich erstaunt darüber wie wenig Training ich im Plan stehen hatte. Es lies sich alles super bewältigen ohne Probleme und schlechtes Gewissen. Für mich eine Investition in ein entspannteres Sportleben. Der andere Grund war, seit 2013 blieben Verbesserungen aus. Ich trainierte kontinuierlich, aber ich blieb stehen. Ich bewegte mich nicht nach vorne und zum Ende hatte ich sogar das Gefühl, dass es immer schlechter wurde. Ein Trainer sollte mögliche Fehlerquellen im Trainingsaufbau beseitigen und ich versprach mir endlich die magische 1 Stundenmarke auf 10km sicher hinter mir zu lassen. Dieser Erfolg blieb jedoch erstmal aus. Jetzt zu 2015, für mich ein sehr spannendes Jahr.

2015!!!

Nina ( meine Trainerin) verzweifelte, im Januar liefen wir Intervalle zusammen, ich am Limit und sie locker nebenher “ 400m in unter 2 min das muss doch gehen“ ihre Aussage. Schließlich haben wir schon 3 Monate intensives Training hinter uns, aber die 2min blieben hartnäckig. Sie war ein bisschen ratlos, ich verzweifelt. Im Februar dann, der erste Test, 10km Winterlaufserie Jügesheim, unter einer Stunde hatte ich mir vorgenommen und viele anderen hofften es. Im 6er Schnitt lief ich an. Im Ziel war ich nach 1:01 deprimiert, niedergeschlagen und total frustriert. Ich merkte auch, dass Nina nicht ganz zufrieden war, baute mich aber auf und zeigte eine gewisse Zuversicht. In der Woche danach analysierten wir alles, bis sie zu dem Entschluss kam, ein großes Blutbild muss her, da ist irgend was, was wir nicht sehen. Ich nahm jeden Tipp dankbar an. Freitag drüber gesprochen und Montag in die Tat umgesetzt, aber ich erwartete nichts, ich fühlte mich wie immer weder krank noch schlapp. Dann kann der Schock, meine Blutwerte waren grauenvoll. Kein Eisenspeicher einen Hämoglobinwert von gerade mal 8 ( normal 14), und alles was mit meinen roten Blutkörperchen zu tun hatte war zu klein, verkümmert und zu schlecht ausgebildet. Es gab berechtigt Grund zu sorge, mein Hausarzt legte ein ernstes Gesicht auf und nahm mahnende Worte in den Mund. Die Frage stellte sich wo das her gekommen war. Schlimme Theorien schwebten im Raum und der Wasserspeicher in mir stieg an, bis er irgendwann in einem Bächchen von Tränen übrlief. Mir war alles zu viel. Die erste Amtshandlung von ihm um mich wieder in die richtige Spur zu bekommen: Überweisungen zu allen Fachärzten, die ich kannte, Eisentabletten in Dosen von 200mg 2x am Tag und das schlimmste 6 Wochen absolute Ruhe, kein Sport, keine körperlichen Anstrengungen. Ich war fix und fertig. 6 Wochen… Das war genau bis zu meinem Trainingslager auf Lanzarote über Ostern. Wenn ich keinen Sport machen darf gibt es einen Strandurlaub, dachte ich. Schrecklich ich wollte gar nicht darüber nachdenken, den anderen beim Trainieren zu schauen zu müssen. Ob ich trainieren durfte oder nicht hing von meinen Blutwerten ab. Wenn ich einen HB von 10 bis dahin erreiche dürfe ich langsam wieder anfangen. Ich tat alles: Rotebeete, Amecken Eisen+, Eisentabletten, Beeren, viel Fleisch und und und. Der Ärtze Marathon ergab außer große Augen, das ich für diese Werte noch sehr gut aussehen würde, nicht viel. Also schlug ich die Zeit tot und wartete geduldig Woche 6 ab und kümmerte mich um meine Rote Armee. Sie dankten es mir mit einem HB von 10,6. Das Trainingslager war gerettet, aber natürlich lief das Training auf Sparflamme. Ich fing ganz locker an und erst in der zweiten Trainingswoche konnte man von Trainingslager sprechen. Aber schon auf Lanzarote merkte ich eine Leichtigkeit im Sport, wie ich sie noch nie hatte. Harte Einheiten waren zwar hart aber nicht lähmend. Ich spürte, dass sich was in meinem Körper bewegte und berichtete allen freudig über mein Fortschritte; schnelle Einheiten und Zeiten die unglaublich erschienen.

Zu Hause angekommen und regeneriert zeigte sich, dass der HB weiter stieg und mit 13,8 normal zu sein schien. Nach 10 Wochen aufpeppen mit Eisen stellte ich mich meinem ersten Härtetest. 10km, Lauf für Mehrsprachigkeit. Die Erwartungen waren nicht sehr hoch, 6 Wochen kein Training, das wird sich bemerkbar machen. Gleiches Ziel wie im Februar, jedoch anderes Ende. Ich lief an und von km zu km wurde das Laufen leichter, es war unfassbar und ein unbeschreibliches Gefühl. Auf zweiter Runde ein Gefühl was ich noch nie hatte, ich überholte Läufer ich lief nur noch lachend und konnte bis zum letzten Km noch beschleunigen. Im Ziel dann, 51:39. Kaum zu Glauben, 10 min schneller als im Februar. Ich war fertig mit der Welt und erntete wieder große Augen, aber diesmal vor Freude. Alle freuten sich für mich und ich noch viel mehr. Die 60min Marke war überwunden und das deutlich. Wenn ich das heute so schreibe, kann ich es immer noch kaum glauben. Eine 51 hoch wie aus dem nichts. Aber das war noch nicht alles. Mein Jahr ging so weiter, eine Bestzeit jagte die andere und ich bekam ein ganz neues Sportgefühl. Angekommen in der Triathloncommunity, akzeptiert von anderen Athleten fühlte ich mich gleichberechtigt. Die Angst letzte zu werden war weg und ich konnte endlich mit einem besseren Gefühl zu Wettkämpfen fahren. Ich sorgte bei mir, und bei anderen 2015 für große Überraschungen, als Ersatzfrau zu beginn der Saisonplanung wurde ich nun in Bruchköbel beste Orberin und lies viele Ligaathletinnen hinter mir. Der Erfolg brachte mir Selbstvertrauen und spornte mich an bis zu meinem Saisonende Bestleistungen zu bringen. Ich wollte bis zum Ende wissen was drin ist, was steckt in mir. Zum Ende absolvierte ich in zwei Mitteldistanzstaffeln, was eine Mitteldistanz in zwei Wochenende ergab. Mein Test für 2016.  Der krönende Abschluss für mich waren die Bestzeiten über 10km bei der Spessartchallenge in Bad Orb und über einen Halbmarathon. Beide zeigen mir, dass 2016 noch besser werden kann, ich bin bereit hart zu arbeiten und besser zu werden.

Heute versuch ich nach vorne zu schauen und mich zu freuen, dass sportliche Träume nun in die Nähe der Leistungsfähigkeit gerückt sind und nicht mehr verschwommen in der Ferne warten. Im Frühjahr haderte ich noch damit 2014 verschenkt zu haben. Ein Jahr umsonst trainiert zu haben. Da ich nun weiß, dass sich diese schlechten Werte langsam seit Mai 2014 aufgebaut haben, kann ich diese Gedanken verwerfen. Ich habe buchstäblich meine Körper in den Keller gewirtschaftet. Das hat mich wahnsinnig frustriert und ich hab mehr darüber nachgedacht wo ich heute stehen könnte wenn ich gewisse Fehler nicht gemacht hätte. Heute glaub ich auch aus 2014 profitiert zu haben. Der Körper vergisst und verlernt nichts, die Reize die ich gesetzt habe waren da, ich konnte sie nicht verarbeiten und ich bin mir sicher, dass diese Leistungsexplosion so nicht möglich gewesen wäre, denn nur Eisentabletten alleine machen keinen besseren Sportler aus mir. Aus Fehlern lernt man und heute versuche ich, auch dank meiner Trainerin, bewusster zu trainieren und auf meinen Körper zu achten. Wenn der Körper nach Pause schreit sollte man sich nicht die Ohren zu halten und weiter rennen. Die Signale unseres Körpers sind die wichtigsten Richtlinien, die wir haben und auf die wir hören müssen. Schließlich haben wir nur einen davon und keinen ganzen Kleiderschrank voll und mit dem müssen wir haushalten. Erfolge sind nicht alles und dürfen auf keinen Fall auf Kosten der Gesundheit erreicht werden. Be Tri and have fun.

2016 soll mein Jahr werden, ich will mich weiter verbessern und meine Ziele erreichen. Aber werde dabei immer wieder ein Auge auf meinen Körper und meine Gesundheit haben.  Also bleibt in Bewegung und passt auf euch auf.imageimageimage

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