Faszination Faszie

Ich bin selber Physiotherapeutin und Triathletin, zwei Gründe warum ich mich mit dem Thema ausgiebig beschäftigt habe. Der Trend konnte sozusagen nicht an mir vorüber gehen. Da mich immer wieder Patienten fragten “ warum reden momentan alle über diese Faszie“ oder „haben sie auch so eine schwarze Rolle zu Hause und was macht man damit“. Ja ich habe eine schwarze Rolle zu Hause und auch einen schwarzen Ball. Letztes Jahr war dies sogar ein Weihnachtsgeschenk für meinen Bruder. Für mich ist die Faszie nicht mehr aus dem Sport und der Sportphysiotherapie wegzudenken und ein wichtiger Bestandteil in meiner Therapie. Ich selber nutze die Blackroll regelmäßig um meine Regeneration zu verbessern oder mich zu mobilisieren. Aber warum erst jetzt? Warum hat man die Faszie erst jetzt entdeckt und ihr diese Bedeutung zugeschrieben?

Die Faszie fasziniert jeden Sportler der was auf sich hält rollt abends vor dem Fernseher über eine Schaumstoffrolle. Aber was ist die Faszie eigentlich? Gehört sie zum Muskel?  Die Faszie ist das Grundgerüst unseres menschlichen Körpers und ist ein Teil des Bindegewebes. Die Faszie ist ein gigantisches Netzwerk aus glatten Hüllen, Strängen und Bändern die den ganzen Körper durchziehen. Dieses Bindegewebe befindet sich überall und durchzieht Organsysteme, umgibt Knochen Muskeln und Gelenke. Dadurch werden alle Strukturen in unserem Körper miteinander verbunden und gestützt. Ein weiterer wichtiger Bestandteil sind zahlreiche Rezeptoren und Sinnesorgane, die darin eingebettet sind. Aus diesem Grund spricht man auch von einem Kommunikationssystem oder Sinnesorgan. Auch die Unterstützung des Blutkreislaufes und des lymphatischen Systems ist eine wichtige Aufgabe der Faszie. Aus all diesen Aspekten wird klar, dass eine Störung in diesem System einen großen Einfluss auf all unsere Körperfunktionen haben kann. Viele Krankheitsbilder können somit mit der Faszie in Verbindung gebracht werden, was ganz neue Behandlungsansätze für Schmerzsyndrome und Bewegungseinschränkung liefert.

Viele und auch ich fragen sich natürlich warum erst jetzt und nicht schon viel früher? Über die Existenz der Faszie wusste man schon länger bescheid, doch die enorme Bedeutung für und die Funktionen im menschlichen Körper wurden bisher außer Acht gelassen. Grund dafür war, dass sich kaum jemand der weißen faserigen Struktur annahm. Bei Sektionen wurde die weiße Substanz häufig weggeschnitten, um den Blick auf die vermeintlich wichtigere Struktur frei zu legen. Auch wir entfernen bei einem schönen Steak das weiße, die Faszie, um nur zartes Muskelfleisch in der Pfanne zu haben. Eines Tages nahmen sich Wissenschaftler dieses Abfallgewebes an und erkannten wie wichtig diese Struktur ist. Die Verbreitung dieser Information lässt nun auch Operateure vorsichtiger mit ihrem Skalpell umgehen. In vielen Ops wird nicht mehr willkürlich im weißen Gewebe rumgeschtten, da man sich jetzt den enormen Folgen bewusst ist.

Was bedeutet das nun für mich als Sportler, wenn ich Schmerzen habe? Ist das immer die Faszie? Nicht immer liegt die Verletzungsursache oder der Schmerzauslöser in der Faszie. Jedoch wird nun klarer, dass die Faszie häufig mitbeteiligt ist wenn irgendwas in unserem System Körper nicht stimmt. Allein deshalb, weil die Faszie sich überall befindet. Kleine Mikrotraumen, Verdrehungen oder Verformungen können die Gleitfähigkeit der Faszie beeinflussen. Diese können durch akute Traumen aber auch durch Überforderungen und Unterforderungen entstehen. Durch die Einschränkung der Gleitfähigkeit, nimmt dann das Fasziengewebe Einfluss auf die umliegenden Strukturen, worin dann der Grund für Schulter-, Knie- oder Achillesbeschwerden liegen kann. Diese Verdrehungen und Verformungen können jedoch durch einfache Mittel wieder beseitigt werden. Was verformt wurde kann man wieder zurück formen. Zum Beispiel mit Druck auf die betroffene Struktur.

Nun fragt man sich als Sportler, was bedeutet das nun für mich, wie pflege ich meine Faszien richtig und was kann ich  tun, um Einfluss auf mein Fasziengewebe zu nehmen? Die gute Nachricht: Fasziengewebe ist sehr anpassungsfähig. Das alte Sprichwort „wer rastet der rostet“ ist hier das Maß der Dinge. Das Fasziengewebe hat eine enorm hohe Anpassungsfähigkeit. Mit einem gezielten Training kann jeder sein Fasziengewebe in Form bringen .“ Wer sich nicht bewegt verklebt“ ist hier das Motto. Man sollte versuchen, so viele unterschiedliche Reize ins sein Bindegewebe zu geben wie es nur geht, um das Fasziengewebe so plastisch wie möglich zu halten. Immer mal was neues ausprobieren. Flexibel bleiben im wahrsten Sinne ist hier gefragt. Besonders gut reagiert die Faszie auf langsame Bewegungen über die gesamte Bewegungsamplitude die am Ende kurz gehalten werden. Yoga oder das klassische Dehnen können hier gut angewendet werden. Mit immer wieder neuen Reizen wird das Bindegewebe angeregt neue Zellen zu bilden und sich neu auszurichten. Hier ist alles erlaubt was bewegt. Nur eine gut trainierte Faszie kann Höchstleistungen erbringen und schnell regeneriert.

Und warum jetzt diese schwarze Schaumstoffrolle? Wenn man mit Druck über die einzelnen Muskelpartien rollt soll die Durchfeuchtung angeregt  und die Ausrichtung der Faszienstrukturen stimuliert werden. Das Prinzip ist ähnlich wie das Ausdrücken eines Schwammes. Die Faszie wird beim Abrollen ausgedrückt und füllt sich wieder mit neuem Gewebswasser. Dieser Flüssigkeitsaustausch sorgt dann für eine reibungslose Gleitbewegung zwischen den einzelnen Gewebsschichten. Dies stärkt die Faszie und macht sie elastischer. Da man durch die Faszienmassage Stoffwechselprozesse anregt, eignet sich diese besonders nach harten Trainingseinheiten als Regenerationsbeschleuniger. Bei der Durchführung sollte man auf ein langsames Tempo achten und sich langsam in die Faszie hineinschmelzen. Wer zu schnell und zu schmerzhaft rollt, verkrampft und arbeitet kontraproduktiv. Ich selber behandle Faszien nach der FDM mit der Typaldosmethode.

Also wie immer viel Spaß und bleibt in Bewegung

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Rollin Rollin Rollin 😉

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